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Steinlachtäler ist ein Gewinner

VON ANGELA HAMMER.

Wenn laut Mössinger Oberbürgermeister der Steinlachtäler Most zum Schwäbischen Kulturgut gehört, der Stuttgarter Ministerialrat Martin Ries überzeugt ist: „Wir brauchen kein Red Bull und kein Iso-Getränk – wir haben Most“ und schließlich der Steinlachtäler beim 2. Schwäbischen „Moschd-Conteschd“ wieder in der Reihe der „Super-Moste“ auftaucht… dann haben wir in Gomaringen und Umgebung etwas richtig gemacht!

Steinlachtäler Most wieder bei den Gewinnern

Geburtsort des Steinlachtälers war, wenn man es ganz genau nimmt, Gomaringen. Von hier ging vor ein paar Jahren der Impuls in die Runde der umliegenden Gemeinden; die Obst- und Gartenbauvereine Nehren, Dußlingen, Mössingen, Belsen, Ofterdingen und Bodelshausen sowie das Mössinger Netzwerk Streuobst waren dabei. Schon im letzten Jahr schnitt der gemeinsame „Fruchtige“ Steinlachtäler bei mehreren Bewertungen sehr gut ab. Er wurde auch dieses Jahr wieder bei den Schwäbischen Mostmeisterschaften unter den so genannten Profimosten eingereicht – und kam auf Platz zwei, nach Stefan Holweger, Küferei und Kellerei aus Täbingen im Zollernalbkreis, und vor der Manufaktur Rainer Broch aus Wachendorf.

Steinlachtäler
Siegerehrung bei den Profimosten: (v.l.) Alexander Dehm, Egon Betz, Rainer Broch, Joachim Walter, Stefan Holweger, Streuobstprinzessin Saskia Fesenbeck, Marcus Hölz, Martin Ries, Hans Wener, Michael Bulander

 

„Gewinner“, stellte Landrat Joachim Walter am Abend des 16. Mai in der Nehrener Musikantenscheuer erfreut fest, „sind Sie alle hier“. Mehr als 25 Moste aus dem Vereinsgebiet – vom Landkreis Göppingen bis zum Zollernalbkreis – waren dabei. Denn alle trügen dazu bei, dass das Streuobstparadies weiterhin zum Genuss einladen kann. Der Most sei von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Vermarktung und damit den Erhalt dieser in Deutschland einzigartigen Kulturlandschaft.

 

Unterstützung aus Stuttgart

Martin Ries ist im Landwirtschaftsministerium Referatsleiter für Ökologischen Landbau. Er vertrat am Mittwochabend in Nehren seine Chefin, Ministerialdirektorin Grit Puchan und überbrachte Grüße von Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Man sei sich seitens der Landesregierung durchaus um die Verantwortung für den größten zusammenhängenden Streuobstbestand Baden-Württembergs bewusst: „Was können wir als Land für eine erfolgreiche Zukunft dieser Kulturlandschaft tun?“ Er verwies auf die Förderung der Pflegemaßnahmen, die Baumschnitt- und die Agrarumweltförderung sowie den Streuobstpreis des Landes Baden-Württemberg, der alle zwei Jahre ausgelobt wird. Gerade heute werden in Glems bei Metzingen die Jugendlichen ausgezeichnet, die letztes Jahr gewonnen hatten. Doch auch die Grenzen der Möglichkeiten müsse man ausloten. „Wir reden darüber“.

 

(Hier der Link zum SWR-Text-Beitrag)

Gute Qualität trotz schwierigem Obstjahr 2017

Trotz schwieriger Wetterverhältnisse im letzten Jahr zeigten viele Moste eine hohe Qualität. Bei den Hobbymostern (100 Prozent Kernobst) belegte Platz 1 Karl Kley (Münsingen), den 2. Platz Willi Schmalz (Wurmlingen) und Platz 3 August Rottmann (Bad Ditzenbach). In der Kategorie „Hobbymoster – Fruchtmischungen gewannen Hans-Martin Haag und Alfred Brodbeck (Jettingen) sowie Thomas Ruoß aus Münsingen.

Steinlachtäler geht weiter

Im Moment sieht es gut aus mit dem Fruchtbehang, auch wenn hier auf Gomaringer Markung schon wieder die Gespinstmotte unterwegs ist. Mitte Oktober wird, wenn alles klappt, wieder neuer Steinlachtäler produziert – mit ganz vielen Äpfeln und Birnen auch aus Gomaringen!

Steinlachtäler
Die Äpfel waren nur Deko – der Most ist echt

25. April – Deutscher Tag des Baums

Seit 66 Jahren, also seit dem 25. April 1952, gibt es in Deutschland den Tag des Baumes. Damals pflanzten Bundespräsident Theodor Heuss und Bundesminister Robert Lehr, Präsident der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“, einen Ahorn im Bonner Hofgarten. Der NaBu Deutschland wirbt an diesem Tag für seine Aktion „Wald-Pate“. Auch die deutschen Baumpflegetage finden derzeit in Augsburg statt.

Der internationale Tag des Baumes geht zurück auf die Zeit der amerikanischen Siedler in Nebraska, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihre neuen Grundstücke aufforsteten und mit Bäumen und Sträuchern bepflanzten. Der erste amerikanische Tag des Baumes wurde am 10. April 1872 gefeiert.

In der April-Ausgabe des Magazins „Obst und Garten“ beschreibt die Redakteurin Dr. Doris Spychalski aus Todtnau-Präg in diesem Zusammenhang, wie immens wichtig Bäume in Zeiten der zunehmenden Verstädterung und Bodenversiegelung geworden sind. Jüngstes Beispiel aus der näheren Umgebung: Der große Innenhof der Mössinger Pausa, wo vor einem Monat das Café Pausa im ehemaligen Kantinengebäude eröffnete. Der Hof ist komplett asphaltiert, weit und breit kein Baum in Sicht. Begründet wurde das wohl seitens des Denkmalschutzes mit „das war Industriegelände“… Ein paar einzelne Obstbäume vor dem Café hätten es bei der Wärmeabstrahlung vom Asphalt dann wohl auch ziemlich schwer.

Schade. Denn 2017 hatte der der Bund Deutscher Baumschulen (BdB) – auch davon berichtet Doris Spychalski – ein umfangreiches Begrünungsprogramm für die Städte, aber auch an Landstraße und Feldern  vorgeschlagen. Denn „Bäume sichern intakte Insektenwelt“, so der BdB. Jeder könne dazu beitragen – mit der Pflanzung von blühenden und fruchttragenden Bäumen, nämlich Obstbäumen. In Innenhöfen, Vorgärten und Gärten. Und draußen auf den Wiesen, wie das der OGV und die Gemeinde Gomaringen schon seit ein paar Jahren mit der Hochzeitswiese im Rahmen der Aufstockung im Buchbach vormachen.

Neues Etikett – gleiche Qualität

Mancher wird es schon entdeckt haben: Der Gomaringer Apfelsaft hat ein neues Etikett erhalten. Etwas peppiger, zeitgemäß, die Pflichtangaben aktualisiert… Aber innen drin ist alles geblieben: die bewährte Gomaringer Qualität. Sowohl beim klaren als auch beim trüben Apfelsaft.

Der Gomaringer Apfelsaft

Die Hintergrund-Farbe der Etiketten ist gleich, nur die Texte unterscheiden sich:

„Ganz einfach – Direkt. Frisch. Klar… viel drin für Durchblicker!“ und

„Ganz einfach: Direkt. Frisch. Naturtrüb… alles noch drin!

Auch bei den kleinen Flaschen kommt eine Umstellung des Etiketts – sowohl für die Schorle als auch die geplanten neuen Halb-Liter-Saftflaschen.

 

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Gestaltung und Foto: Angela Hammer

 

Fachwarte verjüngen den Buchbach

ANGELA HAMMER.

Alexander Walter und Martin Kuttler arbeiten sich hoch über ihren Köpfen durch dichtes Astgewirr und unüberschaubar viele Mistelnester, fast brachial scheint es. Er ist einer der letzten mistelbefallenen Bäume im Buchbach. Doch anders kommt man dem älteren Apfelbaum kaum mehr bei, erklärt Christian Wieland. Er ist im Vorstand der Tübinger Fachwartevereinigung, die am Freitag wieder in den Gomaringer Obstanlage gekommen war.

 

Der Baum nah am Waldrand hat klimatisch schwierigen Bedingungen getrotzt, wurde lange nicht gepflegt und muss weit mehr als 30 Prozent der Krone lassen. „Eigentlich ist der Kopf schon unten, und wir operieren am offenen Herzen“, meint Alexander Walter. „Schauen wir mal, wie er’s packt“. Es ist eine „Landsberger Renette“, eine alte Apfelsorte von 1850. Laut Wikipedia-Beschreibung stellt er „keine besonderen Ansprüche an den Boden und eignet sich insbesondere für kühle Lagen. Nasse und nährstoffarme Standorte begünstigen allerdings die Entstehung von Obstbaumkrebs“.

 

Günter Letz hat die Sorte herausgefunden. Der erste Vorstand des OGV Gomaringen hat in den letzten Monaten bereits 60 Obstbäume der Gemeinde geschnitten – allein. Die komplette Anlage im Buchbach, einschließlich der so genannten Jungbaumanlage, hat er kartiert und die Bäume genau mit Sorte zugeordnet. „Den könnt ihr gar nicht genug loben“, schmunzelt ein Fachwartkollege bewundernd.

 

Urlaub für die Streuobstpflege

Mit Letz arbeiten am Freitag 16 Fachwarte, dabei auch zwei Frauen, aus dem Landkreis Tübingen im Auftrag der Gemeinde. Die, die noch berufstätig sind, haben für die letzte Schnittaktion dieser Saison einen Urlaubstag geopfert. Wie Christian Wieland aus Tübingen: „Meinen Resturlaub habe ich mit Baumschneiden verbracht!“ Aber das sei schließlich seine Leidenschaft, erklärt der Elektromeister.  Sein Kiebinger Vorstandskollege Armin Raidt nutzt sie Mittagspause in der Grillhütte für ein dickes Lob: „So viele waren noch nie dabei“. Die Stimmung sei gut, das Wetter auch. Alfred Strasdeit aus Öschingen greift das Thema auf; er ist fasziniert von der Teamarbeit und der „phänomenalen Kameradschaft“.

Willy Junger ist da nicht ganz unschuldig dran: Mit Roten Würsten, prima „Opa-Hans-Weckle“ und jeder Menge Getränke sorgte er für’s Catering in der Grillhütte.

 

Buchbachanlage bald fertig

Bis am Nachmittag waren die geplanten und rotweißen Bädern ausgezeichneten 38 Bäume fertig geschnitten. 142 sind es im Buchbach insgesamt, ohne die Patenbäume und zuzüglich der Junganlage.

Neue Linde auf der Stockacher Höhe

ANGELA HAMMER.

Sie habe ihm Sorgen gemacht, erzählt Willy Junger aus Stockach. Als Fachwart des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine hat man einen Blick für Bäume, vor allem, wenn etwas nicht stimmt. So bat Junger, auch 2. Vorstand des OGV Gomaringen, letztes Jahr Joachim Löckelt vom Landratsamt, sich die Stockacher Friedenslinde mit ihm anzuschauen. Löckelt, der Obst- und Gartenbaubeauftragte des Landkreises Tübingen, bestätigte Jungers Vermutung: „Die Linde ist krank“.

Friedenslinden erinnern an den Krieg 1870/71

Die markanten Linden waren schon seit jeher beliebte Bäume bei Siedlungen, sei es in der Dorfmitte oder auf Anhöhen. Es gab Gerichtslinden, unter denen Gericht gehalten wurde, oder den Tanz unter der Dorflinde. Linden wurden als Ehrung oder zur Erinnerung gepflanzt, etwa an Regierungsjubiläen. Oder eben als Erinnerung an einen überstandenen Krieg: nämlich wie hier auf der Stockacher Höhe in Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Die über Bronnweiler ist bestimmt auch bekannt. Die Friedenslinden waren in Deutschland sehr verbreitet bzw. sind es heute noch, weil Linden mehrere hundert Jahre alt werden können. Die Lindenallee in Tübingen geht im Kern auf eine Pflanzung von 1508 (!) zurück; berühmt war auch die Ulrichslinde vor dem Unteren Schlosstor, die 1982 durch die jetzige ersetzt werden musste. Ob sie wirklich auf die Zeit Herzog Ulrichs zurückgeht, ist nicht sicher.

Auf der Stockacher Höhe beim Friedhof standen ursprünglich sogar zwei Linden. Eine davon fiel dem Orkan Wiebke vor ziemlich genau 28 Jahren zum Opfer. Jedenfalls bat Junger letzten Sommer die Gemeinde Gomaringen um Sicherungsmaßnahmen in der Krone der alten Linde. Das passierte auch recht schnell und tote Äste wurden herausgenommen, zumal aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht und der großen runden Bank in der Nähe. Eine Untersuchungen zur Ursache der Krankheit erfolgte noch nicht. Waren es vielleicht Folgen der Trockenheit in den Sommern zuvor? „Wir warten mal noch dieses Jahr ab“, meint Willy Junger.

Neue Linde von den Stockacher Highspeed-Initiatoren

In Stockach sind die Wege kurz. Nachdem die Gemeinde die Anfrage, ob sie eine neue Linde in der Nähe setzen könnte, an den OGV weitergereicht hatte, erinnerte sich Junger an die Stockacher Aktion mit der Frauenhoffer-Stiftung zum Internet-Breitband-Ausbau. Die Initiatoren – Martin Lennig, Rainer Denk und Stefan Junger – übernahmen die Investition von 200 Euro ausdrücklich privat und finanzierten zu dritt den Kauf einer rund 6 Jahre alten „Tilia cordata“ (Winterlinde).

Am vergangenen Wochenende kam das junge hübsche Bäumchen in angemessenem Abstand von der alten Linde in den Boden; Günter Letz und Willy Junger, die Vorstände des Obst- und Gartenbauvereins Gomaringen, übernahmen mit Alexander Walter den Pflanzschnitt und die Pflanzung, der OGV die Bewirtung des kleinen Stockacher Festakts. „Wir wollten keinen allzu großen Baum versetzen“, erklärt Junger, „er wäre recht schwer, und das Anwachsen wird kritischer, je älter Bäume sind“. Bernd Kemmler und Roland Luz vom OGV-Ausschuss sowie Bürgermeister Steffen Heß waren ebenfalls behilflich.

Die neue Linde hat nun in der Obhut der großen Bäume Zeit und Platz zum Wachsen; 15 bis 20 m kann ihr Kronendurchmesser im Erwachsenenalter durchaus erreichen. Wobei – Linden wachsen recht schnell, und die wohl erst recht. Immerhin bekam sie von allen fünf Pflanzern feines Berg-Bier zum Anwachsen spendiert.

Erinnerungsbaum mit Fernblick

Die alte Linde erinnert an den „gewonnenen“ Krieg gegen Frankreich 1871. Nach den vielen Jahrzehnten einer herzlichen Freundschaft mit unserem Nachbarland sollte man sie aber heute gewiss als Freundschaftslinde betrachten und würdigen. Vielleicht darf ja der neue Stockacher Baum mit dem Namen „Highspeed-Linde“ – in Erinnerung an die private Breitband-Ausbauaktion – auch ein bisschen an ein schnelles und intensives Band der kurzen Wege nach Frankreich erinnern!:-)

(Titelbild: Daniel Schneider)